Hinter den Kulissen: Die Nachrichten

Geschrieben von am 6. August 2018

Auf 103.4 Antenne Luxemburg hören Sie jede Stunde aktuelle Nachrichten aus aller Welt. Doch hinter den knapp drei Minuten, die Sie hören, steckt jede Menge Arbeit. Verantwortlich dafür ist René Porwoll, der für Sie einen ganz normalen Arbeitstag nachgezeichnet hat…

3:30 Uhr
Mein Handy, das praktischerweise vom Bett aus gesehen ca. 5 Meter weiter auf der Fensterbank liegt, reißt mich aus dem Schlaf. Es ist gut, dass es dort liegt. Läge es direkt neben mir, wäre das Teil bestimmt schon tausend Mal gegen die Wand geflogen. So aber muss ich meinen müden Körper im Halbschlaf aus dem Bett schälen und die paar Schritte zum Fenster gehen, um diese unerträglich fröhliche Melodie (um diese Zeit ist alles unerträglich!) abzustellen. Auf dem Weg zur Küche schalte ich den Fernseher auf „Sky News“ aus London ein, die auch nachts größtenteils live senden und lasse stumm die Laufbänder mit den „Breaking News“ dieser Nacht durchlaufen. Laut könnte ich das noch nicht ertragen. Englisch ist zwar kein Problem für mich, aber trotzdem müsste ich beim Hören übersetzen und dazu habe ich noch keine Lust. Erst mal Kaffee!

3:40 Uhr
Die frischgebrühte Tasse Kaffee in der Hand geht’s zurück ans Fenster. Vorher noch das Radio an. Die „ARD Infonacht“ bringt mich innerhalb der nächsten 20 Minuten auf den aktuellen Stand der Dinge. Währenddessen stehe ich am Fenster, schlürfe meinen Kaffee und genieße die erste Zigarette des Tages. Ist nicht gesund, ich weiss. Aber ich brauche das jetzt: Meinen Kaffee, das Radio, die Kippe und – mein Handy. So verschaffe ich mir den ersten Überblick über die „Lage“. Schon jetzt wähle ich in Gedanken aus, was von all den Themen kommt in die Sendung, was davon sollte man zunächst mal noch beobachten und was davon kann weg.  Kurz vor 4 wird auch „Benny“ wach. Er tröppelt in die Küche, setzt sich vor seinen Napf und ein langes „Miau“ durchzieht die Wohnung. Meinem Kater verlangt es nach Futter…natürlich, Euer Hoheit!

4:15 Uhr
Keine Frage, das arbeiten in den eigenen vier Wänden hat durchaus seine Vorteile. Kein Verkehr, kein Stau, der mir jetzt den Nerv rauben könnte. Stattdessen einmal durch die Küche ins Bad und dann ins Studio. Jetzt, eine dreiviertel Stunde nach dem Aufstehen, komme ich langsam aber sicher in der Gegenwart an. Jetzt geht’s an die eigentliche Arbeit. Die Recherche beginnt. Ich wühle mich durch die wichtigsten Onlineportale und Agenturen, schaue nach, was die Kollegen der anderen Sender bringen, siebe Meldung um Meldung durch mein imaginäres Sieb. Damit ich es etwas leichter habe und mich komplett um die Weltnachrichten kümmern kann, erledige ich zuerst aber noch die Lokalnachrichten für einen deutschsprachigen Sender in Belgien. Zum Aufwärmen genau das richtige. Dann kommt das Hauptprogramm des Tages.

5:00 Uhr
Nach gut 10 Minuten Belgien und weiteren 35 Minuten „Welt“ steht schon mal fest, was ich um 6 Uhr in der ersten News-Ausgabe des Tages bringen werde. In Indonesien hat schon wieder die Erde gebebt, 80 Tote. In Deutschland wird heftig dem Vorschlag nach der Wiedereinführung des Wehrdienstes widersprochen. In Venezuela gibt es Verdächtige nach dem vermeintlichen Anschlag auf den Präsidenten. Griechenland feuert nach den Waldbränden den Chef der Feuerwehr und der Polizei. Ich schreibe die Meldungen und zwei Wetterberichte, einer für Deutschland, der andere für Luxemburg und gehe ans Pult. Einsprechen. Schneiden. Online stellen. Geschafft! Um 5:40 Uhr steht die 6-Uhr-Ausgabe für alle Sender bereit.

Exkurs: Was heißt für alle Sender?
Antenne Luxemburg produziert seit Anfang Mai seine Nachrichten für mehrere Sender. Das, was Sie morgens um 6 Uhr bei uns hören, hören zeitgleich Radiohörer in Berlin, auf Sylt, in Köln, in der Lausitz, in Leipzig, in Hessen, in Bayern – und auf Mallorca. Ab Minute x:45 Uhr werden die News von unserem System aus in die Studios der Sender übertragen. Kommt jetzt noch eine wichtige Meldung, die unbedingt um 6 Uhr gesendet werden muss, z.b. ein großes Unglück, müsste ich schnell reagieren und alle Kollegen per E-Mail mit einer neuen Ausgabe versorgen. Das kommt nicht oft vor. Doch es passiert hin und wieder. Aber gerade das macht die Arbeit extra spannend.

6:00 Uhr 
Während jetzt also die erste News-Ausgabe des Tages läuft, beginnt schon das „bauen“ der nächsten Ausgabe. So zieht es sich dann den Rest des Vormittags hin. Recherchieren, Radio hören, Fernsehen schauen, Zeitung lesen, Agenturen checken. Meldungen auswählen, schreiben, einsprechen. Vor 8 Uhr kommt noch der Frühsport und vor 10 Uhr die erste Börse dazu. Trotzdem gibt es auch eine Pause. Kurz nach 8 Uhr schlappe ich die paar Meter zur Bäckerei. Ohne Mampf kein Kampf!

10:30 Uhr
Ich gönne mir um diese Zeit den Luxus, die Mittagssendung vorzubereiten. Arbeitsabläufe: Siehe oben. Vorteil: Je fortgeschrittener der Vormittag, umso mehr Meldungen habe ich bereits geschrieben und auf „Halde“ gelegt. Die kann, wenn er denn will, mein Nachmittags-Kollege „verwursten“ – oder auch nicht. Ab jetzt geht es eigentlich nur noch darum, das Weltgeschehen zu beobachten und bei Bedarf entsprechend zu reagieren. Von jetzt an läuft die Arbeit deutlich entspannter. Die Bilanz der vergangenen 7 Stunden: 30 geschriebene Meldungen (von denen nur die Hälfte tatsächlich gesendet werden!), 8 bis 10 Zigaretten, mindestens 6 Tassen Kaffee, zwei belegte Brötchen. Dazwischen und davor noch 4 Aufsager für andere Sender produziert. Das sind etwas ausführlichere Meldungen, die ich spreche, von anderen Kollegen in den jeweiligen Sendern aber anmoderiert werden.

11:30 Uhr 
Die Mittagssendung ist „im Kasten“, jetzt darf ich mir etwas Entspannung erlauben. Ich verlasse das Haus und treffe mich in der Fußgängerzone mit ein paar Freunden zum täglichen „Stammtisch“ in unserem Café. Danach geht’s in die Stadt, ein paar Dinge erledigen und besorgen. Und dann zurück an die Arbeit.

13:00 Uhr 
Heute Nachmittag ist der Kollege Rene Schneider on Air. Für mich heißt das: Ich kann mich auf die Musikplanung von Antenne Luxemburg konzentrieren. Heute ist Montag, das heißt, ich werde mich die nächsten drei Stunden durch jede Menge Neuerscheinungen wühlen und schauen, welche Songs davon in unser Programm kommen. Dazwischen tausche ich den ein oder anderen Titel aus, der schon länger läuft und dem man jetzt mal eine Sendepause verpassen kann, damit ein anderer zum Zuge kommt. So ein Musikprogramm ist lebendig und ein Arbeitsfeld für sich. Dazu in einem anderen Beitrag einmal mehr.

16:00 Uhr
Heute schon an Morgen denken! Das gehört zu meinem täglichen Brot. Also lege ich die Musik zur Seite und widme mich wieder den Nachrichten. Welche Themen von heute könnten morgen noch einmal eine Rolle spielen? Welche Termine sind morgen wichtig und müssen beobachtet werden? Also wieder ran und wieder viel Recherche. Bis ca. 17:45 Uhr. Dann noch schnell eine Börse mit den Schlusskursen aus Frankfurt produziert – und ich habe Feierabend. Den leite ich mit dem Deutschlandfunk ein. Für mich eine Art Selbstreflexion. Habe ich ein Thema verpasst? Wo habe ich richtig gelegen? Jetzt noch etwas Fernsehen – und dann ist gegen 21 Uhr Ende. Für heute. Um 3:30 Uhr spielt mein Handy wieder diese unerträglich fröhliche Melodie…


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