USA: Kaffee nur noch mit Warnung vor Krebs?

Geschrieben von am 2. April 2018

„Vorsicht, stecken Sie keine lebenden Tiere in ihre Mikrowelle“ prangt seit Jahren auf den beliebten Geräten in jeder US-amerikanischen Küche. Der Hinweis, „Dinge in ihrem Rückspiegel könnten näher sein als es scheint“, findet sich in jedem in den Vereinigten Staaten zugelassenen Auto. Und nachdem sich eine McDonald’s-Kundin einst überraschenderweise mit dem gerade frisch erworbenen, heißen Inhalt ihres Coffee-To-Go-Bechers übergoss und feststellte, dass der Kaffee tatsächlich heiß war, werden Kunden inzwischen generell davor gewarnt, dass der Kaffee in Kaffeebechern heiß sein könnte.

Was für uns in Europa ziemlich abenteuerlich, ja sogar schon absurd klingt, hat in den USA jedoch seine Berechtigung. Nicht etwa, weil Amis so dumm wären und ohne entsprechende Warnung tatsächlich lebendige Tiere in einer Mikrowelle auf ihre Überlebensfähigkeit testen würden, sondern weil sich dort eine regelrechte Klage-Industrie windiger Anwälte entwickelt hat, die das Rechtssystem und die Gesetze nach jedweder Möglichkeit durchforsten, um vor allem sich und natürlich auch ihre zahlenden Kunden reicher zu machen. Mit Erfolg: Gemäß der allgemeinen Rechtssprechung reicht es nämlich in den USA völlig aus, dass ein bestimmtes Tun oder ein bestimmter Umstand etwas gravierendes zur Folge haben könnte! Und weil es auch in Amerika so etwas wie das Verursacherprinzip gibt, gleichzeitig aber das Individuum zunächst einmal für – freundlich gesagt – sehr unbedarft gehalten wird, haben besonders fachkundige US-Juristen schon vor einiger Zeit entdeckt, wen sie für dumme Sachen, die im Leben halt mal passieren, verantwortlich machen können: Die Hersteller! Die wiederum versuchen deshalb so gut es irgend geht, sich gegen mögliche, saftige Millionenstrafen zu schützen, indem sie eben ihre Produkte mit Warnhinweisen versehen – und seien sie noch so abstrus.

KaffeeIn Kalifornien wurde jetzt eine weitere Runde in diesem scheinbar nie enden wollenden Spiel eingeläutet. Seit gut acht Jahren kämpft dort der Anwalt Raphael Metzger für die Nonprofit-Organisation „Rat für Bildung und Forschung nach Giften“ (kein Scherz!) gezielt gegen mehrere Unternehmen, die Kaffee kochen und verkaufen. Hilfreich ist ihm dabei die vom Staat Kalifornien geführte Liste von Chemikalien, die als mögliche Ursachen für Krebs gelten bzw. angesehen werden. Eine dieser Chemikalien ist Acrylamid, dass innerhalb der EU vor allem durch die Diskussion um das Frittieren von Pommes Frittes bekannt wurde. Genau dieses Acrylamid entsteht auch, wenn Kaffeebohnen geröstet werden. Der Stoff, so der Kläger, bleibe im Kaffee enthalten und daher bestehe durch das Trinken eine Krebsgefahr für den Konsument, dessen Gesundheit selbstredend geschützt werden müsse. Weil aber die beklagten Unternehmen, darunter Starbucks  und der Limo-Hersteller 7-Eleven, nach dem „California Safe Drinking Water und Toxic Enforcement Act von 1986“ verpflichtet sind, ihre Kunden vor dem Genuß potentiell gesundheitsgefährdender Produkte „klar und angemessen“ zu warnen, dies aber im Fall von Kaffee nicht tun, fordert Anwalt Metzger Schadenersatz und ein Etikett mit einem entsprechenden Warnhinweis.

Das zuständige Gericht in Los Angeles neigt dazu, sich der Sichtweise der Kläger anzuschließen und erklärte, die Unternehmen hätten „ihre Beweislast nicht erfüllt“. Zwar sei dies noch keine endgültige Entscheidung, so der Jurist Metzger, dennoch sei dies eine große Neuigkeit und ein guter Tag für die öffentliche Gesundheit. Die Folge: Jeder, der in den USA Kaffee verkauft, sollte sich schon jetzt darauf einstellen, seine Kunden künftig vor einem möglichen Krebsrisiko durch’s Kaffee trinken aufzuklären, sonst könnte es bald sehr teuer werden…


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